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Peter Hoeg - Der Susan Effekt
Nach außen hin könnte die Familie Svendsen nicht mehr der dänischen Vorzeigefamilie entsprechen. Laban Svendsen ist ein erfolgreicher Komponist, seine Ehefrau Susan Svendsen ist Experimentalphysikerin und ihre beiden Kinder Harald und Thit sind sechzehn Jahre alt. Sie könnten mit ihrem selbst designten Haus und ihrer aussichtsreichen Zukunft nicht glücklicher sein.
Inhalt
Alles läuft aus dem Ruder
Dumm nur, dass nach einem Aufenthalt in Indien jedes Familienmitglied mit einer nicht nur geringfügigen Haftstrafe rechnen muss. Da kommt der hochrangige Justizbeamte, der die Familie aus Indien herausholt und ihnen einen Deal vorschlägt, gerade recht. Als Gegenleistung für die Rettung der kleinen Familie verlangt er von Susan, dass sie das Protokoll eines geheimen wissenschaftlichen Gremiums besorgt.

Der Schein trügt
Das besagte Gremium hat sich mit dem Ende der menschlichen Gesellschaft beschäftigt. Wie der Teufel es will, sind die Mitglieder äußerst geheim. Gut, dass Susan und ihre Familie nicht nur über Schlagkraft und Gerissenheit verfügen, sondern auch über den sogenannten „Susan-Effekt“, durch den Menschen in Gegenwart jedes Familienmitglieds ausgesprochen ehrlich werden.
Als bald darauf eines nach dem anderen der Mitglieder der sogenannten Zukunftsmission ums Leben kommt, braucht die Familie all ihre Mittel, um am Leben zu bleiben.
Eine schrecklich nette Familie
Zu Beginn des Buchs gewinnt man fast den Eindruck, gleich mit einer Rückblende konfrontiert zu werden, so sehr scheint die Familie Svendsen – jeder Einzelne von ihnen – in Schwierigkeiten geraten zu sein. Nach ein paar Seiten merkt man jedoch, dass die Schwierigkeiten gerade erst beginnen und die kleine Episode in Indien nur der Stein ist, der die Geschichte ins Rollen bringt. Während sich die Geschichte entwickelt und die Situation immer heikler wird, lösen sich auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Familie auf. Der Umgang miteinander ist dabei so schonungslos ehrlich und direkt, dass es manchmal sogar dem Leser wehtut. Wie sollte es auch anders sein in einer Familie, die kaum etwas anderes hört als die Wahrheit?
Moralische Fragen und tiefste Verwicklungen
Schnell wird klar: Der Star dieser Geschichte sind die tiefen moralischen Fragestellungen des Daseins. Darf ich meine besonderen Fähigkeiten zu meinem Vorteil einsetzen? Wann wird aus Gebrauch eigentlich Missbrauch? Was ist Normalität? Was bedeutet Liebe?
In Scherben
Genau diese Fragestellungen zeigen, wie sehr diese Vorzeigefamilie in Trümmern liegt und wie sehr sie sich an das klammert, was sie jeweils von ihrer Idee von Familie noch retten können. Gerade die beiden Kinder haben den tiefsten Einblick und Durchblick in das Seelenleben ihrer Eltern und trumpfen immer wieder mit schlagfertigen Erkenntnissen auf.
Empfehlung?
Es ist eine kurzweilige Geschichte mit ungewöhnlichen Protagonisten, deren schonungslose Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und dem Universum oftmals wehtut. Insbesondere Susans klare, rein physikalische und pragmatische Betrachtung ihrer Umwelt ist für den Durchschnittsmenschen befremdlich – und gerade deswegen so spannend. Man wird mit ihr nicht warm und schließt sie nicht ins Herz, denn das würde sie gar nicht zulassen. Trotzdem ist eine Erzählung aus ihrer so radikalen Perspektive erfrischend wie Eiswasser und ihr befreiter Umgang mit Sexualität ein schönes Gegenbeispiel zu den üblichen weiblichen Rollenbildern.
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