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Michael Meyer - A Dirty, Filthy Book
Dieses Buch habe ich auf Englisch gelesen. Mir ist eine deutsche Übersetzung nicht bekannt.
Annie Besant und ihr Mitangeklagter Charles Bradlaugh müssen sich für die Veröffentlichung und die Verbreitung eines Pamphlets verantworten, das sich mit der Kontrolle von Geburten und der medizinischen Grundlagen der menschlichen Fortpflanzung auseinandersetzt.
Inhalt
Eine Frau verteidigt sich und ihre Sache vor Gericht
Ohne eine rechtliche Ausbildung richtet Annie - lange ehe die erste Frau in Großbritannien eine Anwaltszulassung erhält - das Wort an den höchsten Richter und erörtert im Angesicht eines Gerichtssaals voller Männer (Frauen mussten den Saal verlassen, da ihnen dieses obszöne Thema ihrer eigenen Sexualität nicht zugemutet werden konnte), warum es das Recht einer jeden Frau ist, zu entscheiden, ob und wann sie Kinder bekommt. In einer Zeit, da die soziale und rechtliche Stellung der Frau der des Mannes untergeordnet wurde, war dies eine Sensation. Das Verfahren prägte die Berichterstattung in Zeitungen, spaltete die britische Bevölkerung und löste eine Debatte über Moral, Zensur und Sexualität aus.

To risk it all…
Gesellschaftliche Probleme im Imperialen Zeitalter
Das großartige an dieser Geschichte und der Umsetzung in diesem Buch ist der Querschnitt der sozialen und gesellschaftlichen Probleme, die im London des viktorianischen Zeitalters herrschten. Das viktorianische Zeitalter ist in unseren Köpfen - wenn denn überhaupt - geprägt von imposanten Abbildungen Queen Viktorias, die ihr Herrschaftsgebiet erfolgreich auf Indien ausweitet, die ihren Kronjuwelen den größten bekannten Diamanten einverleibt, die wie eine Galionsfigur noch heute das Stadtbild Londons prägt. Niemand denkt dabei daran, dass dies auch die Zeit war, in der Charles Dickens‘ Oliver Twist spielt, dass London unter der Überbevölkerung drohte zu ersticken, dass Eltern nicht wussten, ihre Kinder zu versorgen, dass Kinder stahlen, um zu überleben. All das zeigt dieses Buch anhand der Geschichte von Annie Besant auf.
Zitate von Zeitzeugen
Wir verfolgen die historischen Umstände dabei anhand von Primärquellen - Briefe und Zitate von Zeitzeugen - und erhalten so ein lebendiges Bild aus vielen Perspektiven zu dem, wie das London des viktorianischen Zeitalters wirklich war, und zu dem, was die Leute von Annie Besants Werk hielten. Dabei wird sehr anschaulich dargestellt, dass auch eine Königin im Kindbett „nur eine Frau“ war, und dass die Ansichten und Perspektiven der damaligen Zeitzeugen überraschend variabel sein konnten. Gleichzeitig lässt einen das Gefühl nicht los, dass das viktorianische London trotz dieser immensen Bevölkerung ein Dorf gewesen sein muss, denn eins ums andere Mal begegnen einem namenhafte Persönlichkeiten auf der Reise durch das Leben von Annie Besant.
Empfehlung?
Absolut! Man hält selten ein historisches Buch in den Händen, das in der Lage ist, auf erzählerisch ansprechende Weise so viel spannende Einblicke in die Vergangenheit zu liefern. Hier ist eines zum Greifen nahe. Man mag vielleicht nicht Annie Besant als Person in all ihren Facetten nachvollziehen können, aber dieses Buch ist spannend und lehrreich und bietet Einblick in das echte viktorianische Zeitalter.
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Janne ist eine leidenschaftliche Leserin, die schon seit ihrer Kindheit Bücher verschlingt. Neben ihrer Liebe zur Literatur hat sie auch ein Faible für Brettspiele, die sie gerne mit ihrem Partner, Alex, spielt.
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