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Mareike Fallwickl - Die Wut, die bleibt

Alles beginnt mit der „Stunde Null“. Das ist der Zeitpunkt, an dem Helene genug hat. Sie tut das unvorstellbare und springt, um sich dem zu entziehen, was das Leben ihr als Mutter zugemutet hat. Einfach so.

Wer übrig bleibt…

Helene hinterlässt eine Lücke und das nicht nur in den Herzen ihrer Lieben, sondern auch im Alltag. Es sind ihre älteste Tochter - die fünfzehnjährige Lola - und ihre beste Freundin aus Kindheitstagen - Sarah -, die irgendwie versuchen Wege zu finden, um diese klaffende Lücke zu schließen.

Das Cover des Romans "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl zeigt die stilisierte Darstellung des Buchtitels.

Jede für sich?

Bald begibt sich jede von ihnen auf ihre persönliche Reise auf die Suche nach Erkenntnis über das, was Helene zu diesem Schritt bewegt hat. Sie suchen nach dem Schuldigen, sie suchen nach einer Lösung, sie suchen nach der Befreiung und dem Grund für ihre Fesseln.

Frausein in unserer Gesellschaft

Der Titel dieses Buchs hätte nicht passender sein sollen, denn er beschreibt genau das, was man fühlt, wenn man dieses Buch liest, und wenn man es nach dem letzten Wort weglegt. Dieses Buch liest man nicht leichtfertig und ich habe häufiger Pausen einlegen müssen, weil der Inhalt, die geschilderten Verhaltensweisen, die Emotionen und das gezeichnete Bild so schrecklich wahr ist. Das ist unsere Gesellschaft, das sind nicht die anderen. So gelingt es auch nicht, sich selbst von dem geschriebenen zu distanzieren, man ist mittendrin, egal in welcher Lebenslage man sich gerade befindet.

Für die einen Angst, für die anderen bittere Realität

Für mich spielt das Buch in vielerlei Hinsicht auch mit persönlichen Ängsten. Ich bin keine Mutter, aber wenn ich das Erlebnis von Sarah und Helene lese, so beschreibt dies genau das, was ich nicht will. Auch ich habe mir wie die beiden gesagt: So kommt es für dich nicht. Das akzeptierst du nicht. Die Angst, dass es doch so kommt, die bleibt ebenso wie die Wut. Gleichzeitig fürchte ich aber auch als Frau den Moment, in dem sich jemand dann doch einfach nimmt, was man nicht bereit ist zu geben - ob es die Autonomie oder sogar etwas Körperlicheres ist.

Keine Lösungen, aber Wege, diese zu finden?

Die Wege, die die Figuren im Buch, finden, um mit ihrer Situation, ihrer Wut und den sich für sie ergebenden Missständen umzugehen, sind gewiss keine Universallösungen. Die gibt es nämlich nicht, da das Grundproblem zwar identisch ist, die Situationen aber so individuell wie die Betroffenen. Aus diesem Grund halte ich es grundsätzlich auch für überflüssig, eine Wertung hinsichtlich der durch die Romanfiguren gefunden Lösungen zu treffen. Am Ende sprechen wir schlichtweg über ein fiktives Werk. Würden wir in einer Gewaltdarstellung jedes Mal auch einen Aufruf dazu verstehen, wäre die Anzahl der Kriminalromane, die die Bücherregale deutscher Buchhandlungen füllen, bedenklich.

Spiegel

Ich verstehe den Roman also weniger als „Selbsthilfebuch“ oder „Vorschlag zu Lösungsansetzen“, als vielmehr einen Spiegel - einen so ehrlichen und deutlichen Spiegel, dass es manchmal wehtut. Reflektiert man sich selbst, so wird man wohl entdecken, dass jeder von uns ein Stück der hier gezeigten Verhaltensweisen selbst verinnerlicht hat. Und wenn das Buch dabei hilft, dies zu hinterfragen, dann hat es schon viel bewegt.

Empfehlung?

Wie schon oben angedeutet, ist dieses Buch kein Vergnügen. Die Figuren und ihre Schicksale gehen unter die Haut und das macht es nicht leicht oder sogar unmöglich, diese Seiten unbeschwert zu lesen. Trotzdem ist es ein wertvolles Buch und keine verschwendete Lektüre, weil sie einem erneut die Augen öffnet, dass wir gerade nicht in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben. Ein Buch ändert keine Gesellschaft, aber ein Buch kann einer Gesellschaft spiegeln und das tut dieses Buch hier ausgezeichnet.

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