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Jacqueline Harpman - I Who Have Never Known Men
Dieses Buch habe ich auf Englisch gelesen. Es ist aber auch auf Deutsch unter dem Titel „Ich, die ich Männer nicht kannte“ erschienen.
Inhalt
Irgendwo, irgendwann
Irgendwo unter der Erde leben neununddreißig Frauen in einem Bunker, eingesperrt in einem Käfig. Sie werden versorgt und bewacht von ausschließlich männlichen Wachen und können sich nicht daran erinnern, wieso sie an diesem Ort gelandet sind, und welche Tageszeit gerade ist. Äußerst vage verbleiben ihnen einige Erinnerungen an ihr einstiges Leben, aber auch diese schwinden.

Die Nummer 40
Die Jüngste unter ihnen ist anders. Sie war zu jung, um ein anderes Leben als dieses je besessen zu haben. Sie erinnert sich nicht daran, wie es war. Wie eine Aussätzige zieht sie sich in eine Ecke des Käfigs zurück, ausgeschlossen durch den nicht erlebten Verlust des vergangenen Lebens. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis ihre Wissbegier und ihr Durst nach Erfahrungen erwachen wird, um für alle vierzig Frauen der Schlüssel zur Flucht und zum Überleben in der fremden überirdischen Welt zu werden.
Faszinierender Blickwinkel
Wir erleben die Geschichte aus der Sicht der Ich-Erzählerin, der vierzigsten Frau oder einfach nur „Child“ bzw. zu Deutsch „Kind“, wie sie die anderen neununddreißig Frauen einfach nur nennen. Sie ist nicht nur eine Frau ohne Namen, sondern auch eine Frau ohne die klassische Sozialisierung der Gesellschaft. Sie wächst auf ohne Berührung, ohne Tageslicht, ohne Gleichaltrige, nur unter Frauen, die keine Blutsverwandten sind. Männer, das sind für sie nur die Wachen, nicht Vater, Bruder oder Geliebter.
Beklemmende Einsamkeit
Auch wenn wir die Geschichte einer Gruppe von vierzig Frauen verfolgen, ist alles getragen von einer Einsamkeit. Die Frauen leben gemeinsam in einem Käfig und doch könnte ihnen die Ich-Erzählerin nicht ferner sein. Auch im späteren Verlauf der Geschichte bleibt sie einsam, immer eine Außenstehende, denn so viel sie auch lernt und ihre Erfahrungen sammelt: Es trennt sie immer etwas von den anderen Frauen. Diese seltsame Einsamkeit und Unabhängigkeit tragen die Stimmung der gesamten Erzählung. Auch wenn (Achtung kleiner Spoiler) irgendwann die Freiheit lockt, ist die zu erwartende Hochstimmung schnell getrübt von einem Gefühl, dass die Gefangenschaft nie wirklich beendet sein wird.
Unendlich tiefgründig
Es ist dieses Gefühl, was einen auch nach Ende der Lektüre nicht loslässt. Man wird von der Frage verfolgt, ob der Käfig nun das Gefängnis war oder etwas ganz anderes. Selbst wenn ich das Buch gerade erst beendet habe, lässt mich der Eindruck nicht los, dass ich noch lange über einzelne Passagen oder Geschehnisse dieses Buchs nachdenken werde. Dabei ist es kein Buch, was Antworten liefert, aber ein Buch, was diejenigen Fragen stellt, die wehtun, ohne sie aktiv formulieren zu müssen.
Empfehlung?
Ich bin froh, dass sich dieses Buch auf meinem Lesestapel wiedergefunden hat. Es ist eines dieser Bücher, die einen ein Leben lang begleiten können, ohne dass man es jemals vollumfänglich für sich ergründen kann. Wer allerdings ein seichtes Lesevergnügen sucht oder Antworten zu aufgeworfenen Fragen braucht, der lässt besser die Finger von dieser Geschichte, denn man bekommt viele Denkanstöße aber eine Auflösung gibt es nicht.
Deutsche Version:
Englische Version:
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Janne ist eine leidenschaftliche Leserin, die schon seit ihrer Kindheit Bücher verschlingt. Neben ihrer Liebe zur Literatur hat sie auch ein Faible für Brettspiele, die sie gerne mit ihrem Partner, Alex, spielt.
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