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Álvaro Enrigue - Jetzt ergebe ich mich, und das ist alles

Wir schreiben das Jahr 1836. Die junge Witwe Camilla Ezguerra richtet sich in Mexiko gerade in ihrem neuen Leben unter dem Dach des ältesten Sohns ihres verstorbenen Mannes ein, als es zu einem Überfall kommt. Dabei wird sie als einziges Mitglied des Haushalts verschleppt.

Wild wild West

Leutnant José Maria Zuloaga erhält den Auftrag, ihren Verbleib aufzuklären. Da ihm ein Suchtrupp fehlt und eine Reise durch die Weiten der unwirtlichen Wüste sich bei der kargen Bevölkerung nicht gerade großer Beliebtheit erfreut, greift er auf eine illustre Gruppe zurück.

Das Cover des Romans "Jetzt ergebe ich mich, und das ist alles" von Álvaro Enrigue zeigt die Umrisse eines Adlers.

Bunte Truppe

Zu seinen Gefährten zählen ein Tanzlehrer, eine (falsche) Nonne mit exzellenten Schießkünsten sowie zwei einstige Gefangene aus dem Stamm der Yaqui. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg durch die Apacheria, um zu finden, was von der jungen Witwe noch übrig ist.

Heute

Ein nach New York ausgewanderter mexikanischer Autor beschäftigt sich im 21. Jahrhundert mit seiner nationalen Identität und hadert mit bürokratischen Vorgaben. Eigentlich würde er gerne in die Heimat reisen, doch die ungeklärte Aufenthaltsbestimmung macht eine Ausreise unmöglich. Also begibt er sich mit seiner Familie in die Südstaaten und auf die Spuren des legendären Geronimo.

Tiefgründiges Werk mit spannender Erzählstruktur

Mit diesem Werk berührt der Autor die universellen Themen Nationalismus, Herkunft, Flucht und Vertreibung, die heute so aktuell sind wie eh und je. Dabei springt er mit der Erzählung zwischen verschiedenen Schauplätzen hin und her, bis sich die Geschichten schließlich nicht einmal mehr durch einen Absatz trennen lassen.

Schwarz und Weiß

Diese Geschichte räumt schnell mit der alten Idee auf, dass sich im neunzehnten Jahrhundert Weiße und Farbige gegenübergestanden haben. Und genauso farbig wie die Protagonisten der wahren historischen Ereignisse sind auch die Protagonisten dieser Geschichte. Genauso zufällig wie die Truppe, die sich hier auf die Suche nach Camilla begibt, ist auch der Grenzverlauf – und damit die Nationalität.

Lehrreich und beängstigend ob der Parallelen

Dieser Perspektivwechsel hebt insbesondere hervor, wie weit die Entscheidungsträger von den historischen Geschehnissen entfernt waren und wie nah sich die Menschen vor Ort tatsächlich gekommen sind. Es sind Befehlshaber vor Ort, die ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um trotz anderslautender Befehle das Richtige zu tun. Dabei stellt sich die unausweichliche Frage: Wer entscheidet darüber, wer Amerikaner oder Mexikaner ist? Und wer hat entschieden, dass sich eine Nation unter nur einer Identität fassen lässt?

Wir müssen nicht übers große Wasser blicken, um zu sehen, dass wir nicht klüger geworden sind.

Empfehlung

Aufgrund des aktuellen Themas kann ich nur zu diesem Buch raten. Auch wenn die Geschichte nur teilweise auf realen Begebenheiten und Personen beruht, zeigt dieser Roman doch eindrucksvoll, wie künstlich nationale Grenzen sind und wie realitätsfern die Idee einer einzigen nationalen Identität ist.

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Janne ist eine leidenschaftliche Leserin, die schon seit ihrer Kindheit Bücher verschlingt. Neben ihrer Liebe zur Literatur hat sie auch ein Faible für Brettspiele, die sie gerne mit ihrem Partner, Alex, spielt.
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